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\begin{document}


\title{Textviren. Metonymie und Ansteckung in
\_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1\_ von mez (Mary Anne Breeze)}

\author{Florian Cramer}

\date{27.10.2003}

\maketitle

\begin{verbatim}
Date: Fri, 24 Aug 2001 13:24:21 +1000
From: "][mez][" <netwurker@pop.hotkey.net.au>
Subject: Viro.Logic Condition 1.1



_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1_

[b:g:in]

::Art.hro][botic][scopic N.][in][ten][dos][tions::
1.[b.ranch outwards||seething
jam-jar curs][ed][ored
drenching s][creening][ounds]

::Neol][o.jism][ithic Rever][b][s.al][l][s::
2.[drink sever][al][ed
c u in he][l][avan
a c][yclops][hair b:cumming sane]

::Gig:a][h!][:cycling::
3.[alert & c.rash.ing
chrysa][s][li][ding!][s//via
code syrup & brooding symbols]


______________________________________________
----------------------------------------------



.The Viro.logic Condition s][ir][ear.c][am][hes the named
N.pu.t][rojan.logic][ strains [or physical N.put if no strands r nominated]
4 possible contaminants. .By de:fault][lines][ the Condition
s.pr][int][eads thru matching bi][r][o][bo][.logic links.

			+
       .There r 3 major cycles of Viro.logic
       con.troll.ed by the following reactions.
			+
       
-M, --baseline-re:ge][xp][nerative.
.Internet p][atterned][roduced as a wr][h][y.zomic x.pression.
    
.This is this e.ternal range.

-E, --x.tended-rege][xp][nerative.
.Interphysical person as an x.tendable geophysical x.pression.
 
-Z, --fixed-stra][i][nds
.Inter.twin.ing of previous patterns as links of fixed strands, stitched
via newbies.


----------------------------------------------______________________________
________________
         the  [-viro] [-logic] [-e condition | 
       -f STRAND] [-d ACTION]  [--searches=ACTION]  [--x.tended-
       reg][exp.eriential][]  [--fixed-strands] 
______________________________________________
----------------------------------------------



[...the named input + technologic strains + physical input if no strands
are nominated + possible contaminants = by default the condition spreads
through machining biologic/robologic links...]




[e:n:d]
\end{verbatim}


\section{Zur Semiotik codierter Ansteckungen}

Thema meines Vortrags sind ansteckende Codes, das heißt: Ansteckung von
Codes durch Codes (oder von Schrift durch Schrift) in ihrem Verhältnis
zur metaphorischen Codierung von körperlicher Ansteckung sowie zur
performativen Ansteckung von Körpern durch Codes. Ist die E-Mail, die
Sie
hier sehen, ein Computervirus, oder könnten Sie zumindest glauben, daß
sie einer sei? Um das Verhältnis von Schriftcodes und Ansteckung genauer
zu differenzieren, möchte ich eine kleine Semiotik der Ansteckung
vorschlagen, in fünf Eskalationsstufen der Codierung von Infekten:

\begin{enumerate}

\item Biologisch, asymbolisch: Ansteckung von Körpern durch Körper im
Medium des Körpers. Es gibt keine Codierung des Infekts durch
künstliche Zeichen.

\item Deskriptiv: Der Code stellt die Ansteckung von Körpern
durch Körper dar (Bsp.: Krankenbericht), ist aber selbst weder 
ansteckend, noch imitiert er diese Ansteckung.

\item Mimetisch bzw. metaphorisch: Der Code wird in eine
Ähnlichkeitsbeziehung zur Ansteckung von Körpern gesetzt, oder er
integriert, als indexalisches Zeichen, Spuren der Ansteckung von
Körpern.  Beispiele: Der syphilitische Adrian Leverkühn in Thomas Manns
,,Dr. Faustus``, der den Roman metaphorisch ansteckt, Ilya Kabakovs
Hospital-Installationen.

\item Performativ bzw. semantisch viral: Ansteckung von Körpern durch
Codes.  Bespiele: hate speech, die adamitische Ursprache, Zombie-Filme,
deren infizierte Protagonisten das Publikum zumindest zum Erbrechen
anstecken. D.h.: Weder beschreibt, noch imitiert der Code Ansteckung,
sondern er \emph{ist} ansteckend. Allerdings infiziert er Körper und
nicht sich selbst. In Richard Dawkins' umstrittener Terminologie ist
solch ein Code ein ,,Mem``.

\item Selbstansteckend bzw. syntaktisch viral: Ansteckung von Codes
durch Codes, und zwar nicht im übertragenen, sondern im unmittelbar
technischen Sinne. Eine solche Selbstinfektion des Zeichens war
jahrhundertelang nur Gegenstand von mystischer und
experimentalkünstlerischer Sprachspekulation, ist aber mit der Erfindung
des Computers und von Computerviren überraschend alltäglich geworden.

\end{enumerate}

Natürlich gibt es Mischungen dieser fünf semiotischen Register der
Ansteckung; zum Beispiel fingierte Viruswarnungen, die
Computernutzer dazu auffordern, wichtige Systemdateien zu löschen und
somit zwar Codes zum Manipulieren von Codes sind, ihre Ansteckung aber
semantisch, nicht syntaktisch über performative Sprechakte organisieren.
Kunstwerke, die sich besonders vielschichtig mit Ansteckung befassen,
ziehen oft mehrere Register zugleich; so kann Ilya Kabakovs
autobiographische Hospital-Installation zugleich als Krankenbericht
betrachtet werden, als Metaphorisierung der Ansteckung und Krankheit
sowie schließlich als performative Ansteckung des Betrachters mit der 
Melancholie, die sie inszeniert.



\section{mez, \_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1\_)}

Was ist ein Computervirus? Es ist, in John von Neumanns Terminologie
ausgedrückt, ein sich selbst replizierender Automat, der aber nicht als
Hardware, sondern als Software konstruiert ist. Definiert man Software
allgemein als formalen Instruktionscode, so ist ein Computervirus ein
Code, das mindestens eine (rekursive) Anweisung zur Replikation seiner
selbst enthält,  häufig auch noch Anweisungen zur Modifikation anderer
Codes der Systeme, auf die er sich verbreitet, eventuell sogar
Anweisungen zur Modifikation seiner selbst. An Computerviren wird 
deutlich, daß es in Computern und im Internet selbst keine
Multimedialität gibt, sondern nur binärschriftliche Codes, die erst an
analogen Benutzerschnittstellen wie Monitoren, Lautsprechern und
Tastaturen ,,medial`` werden, und daß die eigentümliche Textualität des
Internets sich nicht in primitiven, als ,,hypertextuell`` verklärte
Verknüpfungen von Speicheradressen erschöpft, sondern darin besteht, daß
Textcodes algorithmisch ausführbar und damit virulent und potentiell
viral werden und codierte Systeme nicht bloß metaphorisch zum Absturz
bringen.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es eine Netzkunst, die sich genau dafür
interessiert und im kalkulierten Gegensatz zu akademischer
Hightech-Digitalkunst die Ästhetik von Fehlcodierungen, Störungen,
Abstürzen und opaker Programmcodes konsequent erkundet. Zu ihrem
Lowtech-Medium der Wahl wurde simple E-Mail im Standard-Textcode, zu
einem ihrer initialen Diskursorte die internationale Mailingliste
,,7-11``, auf der pseudonym operierende Störcodekünstler mit der Zeit
individuelle Schreibstile entwickelten. Aus diesem Netzwerk, für dessen
Kunstform der New Yorker Performancekünstler Alan Sondheim das Label
,,Codework`` etabliert hat, sticht die Australierin mez, bürgerlich Mary
Anne Breeze, dadurch hervor, daß ihre Schreibweise nicht nur eine
\emph{maniera} ist, sondern eine poetische Kunstsprache, die sie
,,mezangelle`` (von ,,mez`` und ,,to mangle``) nennt und die ein Hybrid
aus Englisch, Slang, technischen Protkoll-Codes, Programmiersprachen,
phonetischen Wortspielen und Netz-Jargon ist.

\begin{verbatim}
 _Viro.Logic Condition][ing][ 1.1_
 
 [b:g:in]
 
\end{verbatim}


Der Text, um den es nun geht, wurde am 24.6.2001 an verschiedene
Netzkunst-E-Mail-Verteiler verschickt und ist bereits in seiner
Titelzeile ein mezangelle-Hybrid.  Die ,,\_Viro.Logic Condition][ing][
1.1\_`` weist sich als ein Computerprogramm aus, das eine Versionsnummer
trägt und dessen Quellcode, wie in einigen Programmiersprachen üblich,
von einer ,,begin``- und einer ,,end``-Zeile eingeschlossen wird. Wie in
E-Mail und in Diskussions-Newsgroups üblich, ist der Titel durch
einfache Unterstriche (,,\_``) an Zeilenanfang und -ende hervorgehoben.
Durch die der internationalen phonetischen Schrift entlehnten
Doppelpunkte wird ,,begin`` zu ,,bee-gee-in`` gedehnt, einem
phonetischen Hybrid von ,,begin`` (,,Anfang``) und ,,being`` (,,sein``).
Noch innerhalb der begin/end-Klammer liegt eine doppelten Trennzeile,
hinter der ein typographisch vom bisherigen Text verschiedener
Textabschnitt beginnt. Auf Grund seines Zeilenfalls kann man ihn
entweder als Prosa-Addendum zu den lyrischen Versen oder als technische
Dokumentation des Programmcodes lesen.  Tatsächlich imitiert er in
Aufbau, Format und Stil eine elektronische Handbuchseite (bzw.
,,manpage``) des Betriebssystems Unix. die konventionellerweise mit
einer knappen Zusammenfang des dokumentierten Programms beginnt und dann
dessen Kommando-Optionen Punkt für Punkt aufschlüsselt. Die
Optionen des Programms ,,\_Viro.Logic Condition][ing][
1.1\_`` bilden, wie man sieht, das Akrostychon ,,mez``.

Ist mez' Text, da er in einer imaginären, maschinell nicht ausführbaren
Programmiersprache geschrieben ist, also nur eine Metapher oder Mimesis
von Programmcode und somit weder zu semantisch-performativer, noch zu
syntaktisch-viraler Ansteckung fähig?  Das wichtigste Stilmittel dieses
Texts im besonderen und der mezangelle im allgemeinen sind eckige
Klammern, deren Gebrauch sich an Klammerausdrücke in Boolschen oder
sogenannten regulären Suchausdrücken anlehnt, wie sie in
Programmiersprachen und Suchmaschinen verbreitet sind. So kann
die Titelzeile als ,,Virologic Condition`` (,,virologischer Zustand``)
gelesen werden, als ,,Logic Condition`` (,,logische Bedingung``),
,,Logic Conditioning`` (,,logische Konditionierung``) oder ,,Virologic
Conditioning`` (,,virologische Konditionierung``). Auch als imaginäre
Software ist die mezangelle also selbstausführender Code, denn 
sie kreiert aus einem verdichteten Quelltext eine Vielzahl möglicher
Outputtexte.

Der Titel und die Zeile ,,,b:g:in`` lassen offen, wer oder was
konditioniert oder einem Virus ausgeliefert wird: Ein menschlicher
Körper oder ein technisches System? Diese Frage zieht sich, wie ich
zeigen möchte, als roter Faden durch den Text, so auch in der nächsten
Zeile. Syntaktisch an die Programmiersprache Perl angelehnt, markiert
sie das erste von drei nun folgenden ,,Paketen`` bzw. Objekten, die --
durch zweifache Doppelpunkte (,,::``) eingeleitet -- imaginäre
Unterprogramme enthalten:

\begin{verbatim}
 ::Art.hro][botic][scopic N.][in][ten][dos][tions::
\end{verbatim}


Wieder werden kreiern die eckigen Klammern Schachtelwörter, die an die
,,portmanteu words`` und poetischen Neologismen von Carroll, Chlebnikov
und Joyce erinnern.  So ist das erste Wort vierfach lesbar als
,,Arthroscopic`` (,,arthroskopisch``), ,,Art robotic``
(,,kunstrobotisch``), ,,Arthrobotic`` (,,arthro[se]botisch``) und
,,horoscopic`` (,,horoskopisch``). Das zweite Wort expandiert zu
,,Nintendos``, ,,intentions`` und (dem Namen des alten
Microsoft-/IBM-PC-Betriebssystems) DOS.

Die Sprache verbindet also Maschinen und humane Anatomie zu imaginären
Mischkörpern, die sie zudem mit Attributen der Ansteckung, Krankheit und
Medizin (Athroskopie) verbindet.

[Ich überspringe aus Zeitgründen die nächsten zwei Zeilen.]

\begin{verbatim}
 1.[b.ranch outwards||seething
\end{verbatim}

Sieht man den doppelten Längsstrich (,,||``) wie auf der Kommandozeile
des Unix-Betriebssystems und in den Programmiersprachen C und Perl als
logische ,,oder``-Verknüpfung an, so diese Zeile zweifach lesbar, als
prädikative Beschreibung dessen, was der virologische Hybridkörper tut
-- ,,branch outwards, seething`` (,,sich nach ausdehnen und
zerfließen``) -- oder als substantivische Beobachtung der Außenwelt
(,,ranch outwards, see-thing``,  ,,eine Ranch draußen, ein See-Ding``).

In der nächsten Zeile ist die Doppelbedeutung nicht grammatikalisch, sondern
semantisch codiert:

\begin{verbatim}
jam-jar curs][ed][ored
\end{verbatim}

Ein Marmeladentopf wird, als Innenbeschreibung gegenüber der
Außenbeschreibung ,,ranch outwards``, verflucht (,,jam-jar cursed``)
oder ein Maus- oder Tastaturcursor sieht aus wie ein Marmeladentopf
(,,jam-jar cursored``).  wie ein Marmeladentopf
aussieht.\footnote{,,jam-jar`` liest sich außerdem als Anspielung auf
,,Jar-Jar``, einem ersten photorealistisch computergenerierten
Charaktere eines Spielfilms, der in ,,Star Wars Episode No.1`` (2000)
auftritt und Vorwürfe rassistischer Stereotypisierung sowie den Haß von
der Star Wars-Fangemeinde in Hacker-Netzforen wie Slashdot.org auf sich
zog.  Neben ,,jam-jar cursed`` lauert hier also auch ,,jar-jar cursed``
zwischen den Zeilen.} -- Weiter:

\begin{verbatim}
drenching s][creening][ounds]
\end{verbatim}

Eine Bildvorführung oder eine medizinische Testreihe (,,screening``)
oder Töne (,,sounds``) saufen ab (,,drenching `). Im gesamten
vierzeiligen ,,Objekt`` ist schwierig auszumachen, wer oder was das
Subjekt und was das Objekt des Texts ist: Der arthritische Roboter, der
virus-infiziert und mit verunstalteter Bildschirmgraphik und Tönen nach
außen zerfließt, oder aber die ,,athroskopischen Intentionen`` eines
kränkelnden menschlichen Körpers in häuslicher Umgebung?

Mit dem nächsten Programmobjekts gibt der Text mehr von sich preis:

\begin{verbatim}
::Neol][o.jism][ithic Rever][b][s.al][l][s::
\end{verbatim}

Ineinander verschachtelt sind hier ,,Neolithic`` (,,neolithisch``),
,,Neologism`` (,,Neologismus``), ,,jism`` bzw. ,,o, jism`` (,,Sperma``),
sowie ,,Reverb`` oders ,,Reverbs`` (,,hallen``), ,,Reversal`` oder
,,Reversals`` (,,Umkehrungen``) und ,,all`` (,,alle``).

Mindestens zwei Lesarten ergeben sich aus der Kombinatorik dieser Morpheme: Das
Subjekt fühlt, als ob es in die Steinzeit zurückversetzt wäre oder fühlt
die Steinzeit nachhallen; oder aber es gibt einen ,,neologism
reversal``, die Umkehrung eines Neologismus. 

Wie in den Zeilen zuvor, entgrenzen sich auch hier menschlicher Körper
und Technik und kehrt das Motiv von Ansteckung und Krankheit wieder.
Auf Grund seiner Doppel- und Mehrfachcodierungen kann der Text
konsequent als ein privater Krankenbericht gelesen werden und ebenso
konsequent als Bericht von viral infizierter Technologie. Mit der
Formulierung ,,neologism reversal`` decodiert er sich beinahe, da sie
beschreibt, wie aus biologischen Viren qua Neologismus Computerviren
abgleitet und durch die Umkehrung des Neologismus aus Computerviren
biologische Viren erklärt werden. Das Subjekt beobachtet seine eigene
Krankheit, vergleicht sie mit einem Computervirus und reflektiert, daß es
den ursprünglichen Neologismus umkehrt, indem es sich das biologische
anhand des digitalen Virus erklärt.

[Ich überspringe die nächsten drei Textzeilen.]

\begin{verbatim}
2.[drink sever][al][ed
\end{verbatim}

Der Krankenbericht schreibt sich paradox fort:  Entweder wird
Flüssigkeit eingenommen, um die Infektion zu bekämpfen (,,drink
several``), oder das Getränk ist, wie der ,,jam-jar cursed``, das
,,drenching screening`` und der ,,jism``, eine vergiftete Quelle und
Multiplikator der Ansteckung (,,drink severed``).

\begin{verbatim}
 c u in he][l][avan
\end{verbatim}

,,See you in hell``/,,see you in heaven``. Neben dieser
offensichtlichsten Kontraktion von Gegensätzen des Text enthält die
Zeile zwei Internet-spezifische Anspielungen: ,,c u`` bezieht sich auf
die Videokonferenz-Software ,,cu/see me``, ,,see you in hell`` imitiert
die typische Rhetorik von Computerviren und Schadensbotschaften auf
gehackten Computern.


\begin{verbatim}
 a c][yclops][hair b:cumming sane]
\end{verbatim}

Diese Zeile expandiert zu ,,a cyclops becoming sane``/,,a chair becoming
sane``/,,hair becoming sane`` (,,ein genesender Zyklop``, ,,ein
genesender Stuhl``, ,,genesendes Haar``), dabei ist ,,to come``
zweideutig ,,to cum`` (,,kommen``/einen Orgasmus haben) eingeschrieben,
so daß ,,b:cumming`` für ,,becoming`` (,,werden``) und ,,be cumming``
(,,gerade kommen``) steht.

Da die vorherige Zeilen auf Web-Cameras (,,c u``) anspielt, erscheint
,,cyclops`` (,,Zyklop``) als Metapher für den Computer als einäugiges
Wesen. Wieder ist es mehrdeutig, wer angesteckt wurde und wer gesund
wird. Denn selbst in der Genesung lauert, durch den eingeschriebenen
Sex-Slang, die potentielle Übertragung und Infektion.


Zum nächsten Programmobjekt:

\begin{verbatim}
>
> ::Gig:a][h!][:cycling::
\end{verbatim}

,,Gigahigh cycling``/,,Gigahertz cycling``/,,Gig cycling``/,,Gigah!
cycling``: Diese wegen der Mehrdeutigkeit von ,,cycling`` schwer ins
Deutsche übersetzbare Lesarten beschreiben, je nach dem, die
Gigahertz-Taktgeschwindigkeit eines Computers, Fahrradfahren in den
Bergen und ein extremes Gefühl des Auf und Ab. In ,,Gigah!`` steckt eine
Anspielung auf antiorp/Netochka Nezvanova, eine weitere pseudonyme
Netzkünstlerin aus dem Umfeld der 7/11-Liste, in deren Codesprache der
Buchstabe ,,i`` konsequent durch Ausrufezeichen ersetzt wird. Da dies
die einzige Stelle von mez' Texten mit dieser Buchstabenersetzung ist,
liest sie sich als verstecktes ,,Hi`` an mitlesende Kollegen.


\begin{verbatim}
 3.[alert & c.rash.ing
\end{verbatim}

,,alert \& crashing`` / ,,rash`` (,,aufgeschreckt \& zusammenbrechend``
/ ,,rücksichtslos``)

Dieses Objekt bzw. dieser Stropenabsatz beschreibt, wie auch in der
nächsten Zeile deutlich wird, den Organismus bzw. die Maschine im
destabilisierten Zustand:


\begin{verbatim}
 chrysa][s][li][ding!][s//via
\end{verbatim}

i% ,,chrysalis``/,,sliding!``, // via (,,Larve``, ,,gleitend``, ,,via``)


Mit der Larve (,,chrysalis``) wird eine weitere biologische Metapher eingeführt und 
mezangellstisch zu ,,chrysaliding`` verschachtelt. Der Maschinen-Organismus
läuft auf Hochtouren,  gerät außer Kontrolle (,,Gigacycling``,
,,rash``, ,,alter \& crashing``) und zieht sich atavistisch-
regressiv als Larve zurück. Die Larve gleitet via:


\begin{verbatim}
 code syrup & brooding symbols]
\end{verbatim}

worin sich organische Biologie und Computerprogrammierung am
deutlichsten vermischen. Der
,,Syrup`` ist zugleich Medizin des rekonvaleszenten 
Körpers, und, als Code, Reparaturmittel für die abgestürzte
Maschine. Daneben sind ,,Codesyrup und Brutsymbole`` offensichtliche Metaphern
der Computersteuerung und -programmierung, der symbolischen Kontrolle
(und dem Kontrollverlust) eines als organisch empfundenen Systems. Das
erste Absatz-Objekt des Texts beschreibt den hybriden Organismus, das zweite, das
ihn in einen mehrdeutig codierten räumlichen Kontext rückt, die Quellen
seiner Infektion und seiner Heilung, und das dritte Absatz-Objekt seine innere
Verfassung.
%Mit ,,Code-Syrup`` und ,,Brutsymbolen`` reflektiert sich schließlich
%auch der mezangelle-Text selbst in seinem Versuch, einen irrationalen
%Status quo durch Schreiben zu rationalisieren.

Im der nachfolgenden mezangellisierten Programmdokumentation, auf die
ich hier nicht näher eingehen werde, ist schließlich explizit von dem
verbreiteten E-Mail-Virus ,,Sir.Cam`` die Rede, und von Physis und Logik
als den Kanälen trojanischer Unterwanderung. 

Wenn also das Leitmotiv des Texts die Entgrenzung von Körper und
symbolischer Logik im Medium der infektiösen Ansteckung beider ist, und
dieses Leitmotiv nicht nur als semantische Deskription in seine Sprache
eingeht, sondern sich syntaktisch in sie eincodiert, so kennzeichnet
,,\_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1\_`` eine Poetik des Metonymischen
als einer Vertauschung, Entgrenzung und Gleichsetzung räumlich
benachbarter Dinge. Die ,,mezangelle`` konstruiert diese Benachbarungen
und gleitenden Signifikate bereits auf der morphologischen Ebene ihrer
Wörter und metonymisiert auch Metaphern,  also konstruierte
Ähnlichkeiten. Der Text setzt Wörter wie ,,arthroscopic`` und ,,art
robotic``  nicht nur metaphorisch gleich, sonder heftet sie auch
einander metonymisch an, und zwar sowohl ihre Signifikanten in der
Wortstellung, als auch Signifikate in seiner Imagination.

,,\_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1\_`` ist über seine metonymische
Reflexion multipler wechselseitiger Ansteckungen von Körpern und Codes
auch als Reflexion der Metonymie selbst lesbar.  Von Roman Jakobson
stammt die bekannte Definition der Metapher als Trope der Ähnlichkeit
und der Metonymie als Trope der Kontiguität.\footnote{Jakobson, Two
Aspects of Language and Two Types of Aphasic Disturbances, Ges. Werke,
S. 254.} Weniger bekannt ist, worauf der Literaturwissenschaftler Robert
Stockhammer in seiner Monographie über Dichtung und Magie hinweist, daß
nämlich Jakobson seine bipolare Universaldefinition von Metapher und
Metonymie von James George Frazers und dessen Klassifikation magischer
Handlungen in ,,The Golden Bough`` übernimmt.\footnote{Jakobson schreibt
am Schluß seines Aufsatzes: ,,The principles underlying magic rites have
been resolved by Frazer into two types: charms based on the law of
similarity and those founded on assciation by contiguity. The first of
these two great branches of sympathetic magic has been called
,homoeopathic` or ,imitative`, and the second one ,contagious magic```,
Jakobson, Two Aspects of Language and Two Types of Aphasic Disturbances,
Ges. Werke, S. 258.} Frazer unterscheidet zwei Typen von Magie, die er
,,homoeopathic`` und ,,contagious`` (,,ansteckend``) nennt.\footnote{
,,If we analyse the principles of thought on which magic is based, they
will probably be found to resolve themselves into two: first, that like
produces like, or that an effect resembles its cause; and, second, that
things which have once been in contact with each other continue to act
on each other at a distance after the physical contact has been severed.
The former principle may be called the Law of Similarity, the latter the
Law of Contact or Contagion. [...] Charms based on the Law of Similarity
may be called Homoeopathic or imitative Magic. Charms based on the Law
of Contact or Contagion may be called Contagious Magic.`` Frazer, The
Golden Bough, Studienausgabe, S.11} Er definiert beide wie folgt:
,,Homeopathic magic is founded on the assoiation of ideas by similarity:
contagious magic is founded on the association of ideas by
contiguity``.\footnote{Frazer, S.12} Als Beispiel homöopathischer
Ähnlichkeits-Magie nennt er die Zerstörung des Abbild eines Feinds
(S.12), als Beispiel ansteckender Magie die Bannung eines abwesenden
Feinds stellvertretend an abgetrennten Körperteilen wie seinen Haaren
oder Nägeln (S.38).

Festhalten läßt sich also, daß Frazer die Blaupause einer allgemeinen
Zeichentheorie der Ansteckung liefert, Jakobson in seiner
sprachtheoretischen Appropriation des Modells aber das Attribut des
Ansteckenden (,,contagious``) zugunsten des Kontiguitiven unterschlägt.
Ob alle metonymisch-kontiguitiven Sprechweisen in den Künsten latent
auch von Ansteckung handeln, ist eine interessante Frage.  Für
,,\_Viro.Logic Condition][ing][ 1.1\_`` von mez läßt sie sich leicht
beantworten, denn dieses ,,Codework`` reflektiert \emph{the contagious}
als \emph{the contiguous} und umgekehrt. Wenn beide identisch sind, so
fallen auch die zu Beginn vorgeschlagenen fünf semiotischen Register der
Ansteckung zusammen: Biologische Ansteckung, ihre Deskription, ihre
Metaphorisierung, performative Ansteckung und Ansteckung von Code durch
Code. Ein interessanter Gegensatz von Frazers ansteckender Magie und
Jakobsons Metonymie ist, daß erstere eben kein fiktionaler Code ist,
sondern eine Mischung aus biologischer Ansteckung und performativem
Sprechakt, Jakobson die Metonymie aber im Gegenteil für ein Stilmerkmal
deskriptiver Prosa hält.\footnote{Jakobson, S. 258} Da Mez' Arbeit
zwischen allen diesen Ausdrucksmodi erfolgreich oszilliert, widerlegt
sie beide Theorien. Wenn ansteckende Codes allgemein also, -- um Frazer
noch einmal zu zitieren --, allgemein etwas mit ,,assocation of ideas
by contiguity` zu tun haben; wären ,,ideas`` noch um \emph{bodies}
zu ergänzen.



(Virale Ansteckung: Innersprachliche Kontiguität durch Vertauschung von benachbartem
Code

Performativer Sprechakt: Umkehr der metonymischen Vertauschung
von Dingen und ihrer Bezeichnung, das Zeichen tritt aus sich selbst
heraus.

Metapher: Konstruktion von Metaphern der Ansteckung über metonymische
Sprache (Bsp. mez)

Deskription: Metonymisch ex negativo, Vermeidung von Ansteckung des
Signifikanten durch das Signifikat.)


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\end{document}

